
10 faszinierende Fische im Amazonas
- Kurz und Knapp
Schon gewusst, dass es im Amazonas neben Piranhas und Neonfischen sogar Haie gibt? Fakten über zehn spannende Fische des größten Flusses der Erde.
Der Amazonas ist einer der größten Flüsse der Welt – je nach Messung sogar der größte – und in jedem Fall der wasserreichste. In den ausgedehnten Regenwäldern des Amazonasbeckens hat sich die größte Artenvielfalt der Erde gebildet. Kein Wunder, dass auch unter der Wasseroberfläche des Flusses das Leben tobt.Im Amazonas und seinen Nebenflüssen leben mehr Fischarten als im ganzen Atlantik, mehr als 3000 wurden bislang gezählt! Vom berüchtigten Piranha bis zum mächtigen Bullenhai haben wir zehn Fische des Amazonas-Flusssystems zusammengestellt.
Piranha

© Greenpeace / Flavio Cannalonga
Piranha im Amazons-Flusssystem, Brasilien
Um kaum einen Fisch ranken sich gruseligere Mythen als um den Piranha. Die Vorstellung, dass räuberische Piranha-Schwärme in wenigen Augenblicken selbst Menschen in Stücke reißen könnten, geht schon auf den berühmten Naturforscher Alexander von Humboldt zurück – und ist weit übertrieben. Angriffe auf Menschen durch die 15 bis 40 cm langen Fische sind ausgesprochen selten. Und wenn sie stattfinden, dann meist nur in Form vereinzelter Bisse. In der Regel machen sich Piranhas über kranke oder verletzte Fische her. Mit ihren scharfen Zähnen können sie ihre Beute allerdings tatsächlich sehr schnell erlegen und vertilgen. So spielen die dutzenden Piranha-Arten eine wichtige Rolle in der Nahrungskette und somit im Ökosystem des Amazonas-Flusses.
Zitteraal
Die Begegnung mit einem Zitteraal kann ein elektrisierendes Erlebnis sein! Denn die Fische sind mit ihren elektrischen Organen in der Lage, Stromstöße auszusenden. Eigentlich dienen diese zur Orientierung oder zur Kommunikation. Aber auch zur Verteidigung und sogar zur Beutejagd können Zitteraale die elektrischen Impulse von mehreren hundert Volt verwenden. Die drei elektrischen Organe, die wie eine körpereigene Batterie wirken, nehmen zusammen fast vier Fünftel der Körperlänge von Zitteraalen ein. Übrigens, auch wenn sie so aussehen und so heißen: Die vier Arten der Zitteraale sind keine Aale, sondern gehören zu den sogenannten Neuwelt-Messerfischen.
Schwarzer Pacu (Tambaqui)
Der Schwarze Pacu oder Tambaqui ist verwandt mit den Piranhas, beide gehören zur Gruppe der Sägesalmler. Mit einer Länge von über einem Meter und einem Gewicht von bis zu 30 Kilo kann er aber weitaus größer werden – und ist im Gegensatz zu seinen räuberischen Verwandten ein überwiegender Pflanzenfresser. Nur Jungfische ernähren sich von Plankton, Insekten und Schnecken. Ausgewachsene Schwarze Pacus, die mit ihrem starken Gebiss Nüsse knacken können, fressen gern Samen der amazonischen Gummibäume und Camu-Camu-Früchte. Auf diese Weise tragen sie erheblich zur Verbreitung diverser Pflanzen bei.

Pfauenaugenbuntbarsch
Ein echter Hingucker ist der Pfauenaugenbuntbarsch, auch Oskar genannt: Er hat zahlreiche rötlich-bunte Flecken auf einer dunkelgrünen bis grauen Grundfärbung. Ihr farbenfrohes Äußeres machen Pfauenaugenbuntbarsche zu beliebten Aquarienfischen. In freier Wildbahn bevorzugen sie ruhige Seitenarme der Flüsse, die nur in Zeiten starken Regens mit dem Rest des Flusssystems verbunden sind. Der “Oskar” kann bis zu 45 cm lang und 1,5 Kilo schwer werden und er ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen, Schnecken und Insektenlarven.
Arapaima (Pirarucu)

© T. Voekler / CC BY-SA 3.0
Arapaima Gigas in der Amazonasregion
Mit bis zu drei Metern Länge und einem Gewicht von bis zu 200 Kilogramm ist der Arapaima einer der größten Süßwasserfische der Welt. Das mächtige, auch Pirarucu genannte Tier ernährt sich üblicherweise von anderen Fischen. Aber auch Amphibien, kleinere Säugetiere und sogar Vögel zählen zu seiner Beute. Seine Schuppen dienen ihm als Schutzpanzer und schützen vor Piranha-Angriffen. Eine weitere Besonderheit der vier Arapaima-Arten: Dank ihrer lungenähnlichen Schwimmblase können sie Sauerstoff aus der Luft einatmen und sind dadurch in der Lage, bis zu 24 Stunden in Gewässern mit wenig Sauerstoff zu überleben. Eine clevere Anpassung an das Leben in den oft sauerstoffarmen Bereichen des Amazonas-Flusses!
Candirú
Ein weiterer Amazonas-Fisch, der schaurige Fantasien beflügelt, ist der Candirú. Es gibt einige wenige Berichte, dass die extrem schlanken Fische sich von Harnstoff angelockt fühlen und badenden Menschen in die Harnröhre schwimmen. Wissenschaftliche Beweise dafür gibt es aber kaum. Ob das stimmt oder nicht: Der Mythos hat zu einem zweifelhaften Ruf des “Harnröhrenfisches” beigetragen. Tatsächlich leben die seltenen Candirús parasitär, dringen in Wirtsfische ein und ernähren sich von deren Blut. Dazu haben sie Haken hinter den Kiemen, um sich an ihrer Beute festzuklammern. Mit ihren scharfen Zähnen verbeißen sie sich in die Arterien des Opfers und lassen sich von dessen Herzschlag mit Blut vollpumpen, bis sie von ihm lassen und anschließend eine mehrtägige Ruhe einlegen. Die Candirús umfassen neun Arten, die zwischen 2,7 und 40 cm lang werden.
Arowana
Der auch unter dem Namen Silbergabelbart bekannte Arowana ist ein echter Akrobat: Auf der Jagd nach seiner Beute springt der Raubfisch bis zu zwei Meter hoch aus dem Wasser und schnappt sich Insekten, Frösche, Reptilien und sogar kleine Vögel. Möglich macht dies der langgestreckte, bis zu 90 cm lange Körper und das große Maul des Arowana. Speziell ist auch das Brutverhalten des Fisches: Nachdem das Weibchen die Eier ins Wasser abgegeben hat, übernimmt das Männchen seine “Schicht” als sogenannter “Maulbrüter”. Es schützt die Eier in seinem Maul – und das 50 bis 60 Tage lang. Ähnlich wie der Arapaima kann der Arowana notfalls Luft atmen, wenn der Sauerstoffgehalt im Wasser zu niedrig ist.
Diskusfisch
Diskusfische oder Diskusbuntbarsche machen ihrem Namen alle Ehre: Ihr Körper ist fast kreisrund und bunt gemustert. Sie bevölkern im Amazonas viele geschützte Nebenflüsse und Seen und haben sich in mehrere Arten und Unterarten aufgespalten. Die sozialen Fische leben in sogenannten Schulen und werden meist 12 bis 16 cm lang. Sie ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton, kleinen Borstenwürmern, Insektenlarven und Süßwassergarnelen, die sie mit gezielt gepusteten Wasserstrahlen aus ihren Verstecken locken.
Neonsalmler
Neonsalmler, auch Neonfische oder Neontetra genannt, hat fast jede:r schon mal gesehen – denn sie gehören zu den beliebtesten Aquarienfischen überhaupt. Der strahlende, blau-grüne Streifen über die ganze Seite des gerade mal 3 bis 4 cm großen Fisches gibt ihm seinen Namen. Die auffällige Färbung ist wichtig zur Kommunikation, denn Neonsalmler leben in so genannten Schwarzwasserflüssen im oberen Amazonasgebiet. Trotz des dunklen Wassers dort können die in Schwärmen lebenden Fische miteinander Sichtkontakt halten. Nachts verblassen ihre Farben, vermutlich zur Tarnung. Sie ernähren sich von kleinen Wirbellosen. Da Neonfische in Gegenden mit Trockenperioden und Regenzeiten leben, wo die Wassertemperatur erheblich schwankt, sind sie relativ tolerant gegenüber Temperaturveränderungen.
Bullenhai

© Doug Perrine / Greenpeace
Bullenhai, hier im Atlantik
Ein Hai im Süßwasser? Tatsächlich: Der Bullenhai, der eigentlich in ufernahen Gewässern der Weltmeere lebt, dringt auch tief in den Amazonas und andere Flüsse ein. Möglich macht das eine Besonderheit seiner Niere: Diese kann sich an unterschiedliche Salzgehalte anpassen, sodass sie im Süßwasser weniger Salz und stattdessen mehr Harnstoff aus dem Blut herausfiltert. Bullenhaie können mehr als 2,5 m lang und 130 Kilo schwer werden. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fischen, aber auch von Krebsen und Weichtieren. Tatsächlich können Bullenhaie gelegentlich sogar Menschen gefährlich werden, im südamerikanischen Raum sind wenige unprovozierte Angriffe belegt. Auch bei der Fortpflanzung unterscheiden sie sich von den meisten anderen Fischarten: So kommen die Jungen der Bullenhaie lebend zur Welt.
Von den peruanischen Anden bis zur Mündung in den Atlantischen Ozean bildet der Amazonas mit seinen hunderten Nebenflüssen das größte Flusssystem der Welt und eine einzigartige Ökoregion – die jedoch durch Umweltzerstörung massiv bedroht ist. Neben der Rodung des Amazonas-Regenwaldes für Landwirtschaft oder Infrastrukturprojekte ist auch der Fluss durch menschliche Einflüsse in Gefahr. Ein Beispiel ist der Einsatz von Quecksilber in den illegalen Goldminen Amazoniens, das anschließend in die Flüsse gelangt. Das hochgiftige Element schadet nicht nur den Fischen, sondern gelangt auch in den Nahrungskreislauf und gefährdet somit die Gesundheit der Menschen der Region. Der Schutz des Amazonasgebiets ist also aus vielfältigen Gründen von größter Bedeutung.