
Genialer Coup vor Kabinettsentscheidung zu Heathrow
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Den Überraschungscoup hatte Greenpeace gründlich vorbereitet: Unter dem Vorwand, ein Refugium für Esel zu schaffen, schnappten sie dem zuständigen Ministerium ein zentrales Flurstück vor der Nase weg. Als Grundeigentümer stellten sich neben Greenpeace die Schauspielerin Emma Thompson, der Comedy-Darsteller Alistair McGowan sowie der zukünftige Tory-Kandidat Zac Goldsmith zur Verfügung. Eine bunte Allianz, die rasant angewachsen ist: Bereits 5.000 Mit-Eigentümer haben sich in den Stunden nach Bekanntwerden gefunden, darunter auch viele Lokalpolitiker aller Parteien.
Die Idee ist, durch eine möglichst große Zahl von Eigentümern Rückkäufe durch die Regierung zu erschweren. Noch ist unklar, ob die rechtliche Situation tatsächlich Mit-Eigentümer in dieser Form zulässt. Doch Resonanz und Unterstützung für die Aktion sind überwältigend.
Die Regierung will den Ausbau des Flughafens um jeden Preis durchsetzen, um im Interkontinentalgeschäft mithalten zu können. Ihr Hauptargument ist der Gewinn von mehreren zehntausend Arbeitsplätzen. Die Entscheidung des Kabinetts soll noch diese Woche fallen.
Umweltschützer halten den ökonomischen Gewinn für maßlos überschätzt. Vorrangig aber gilt der Protest den Umweltbelastungen: Durch die dritte Bahn würden die Emissionen des Treibhausgases CO2 um schätzungsweise zehn Millionen Tonnen steigen. Heathrow wäre damit die größte Einzelquelle von Treibhausgasen in Großbritannien.
Existierende Klimavereinbarungen könnten, so Greenpeace England, mit der neuen Landebahn nicht mehr eingehalten werden. Ich verstehe nicht, wie irgendeine Regierung, die sich gegen den Klimawandel engagiert, überhaupt ernsthaft solche Pläne in Erwägung ziehen kann, so die Oscar-Preisträgerin Emma Thompson. Wir werden die Startbahn verhindern, selbst wenn wir dort einziehen und Gemüse anbauen müssen..
Der Protest gegen den Flughafenausbau ist zu einer Bürgerbewegung angewachsen. Er richtet sich nicht allein gegen die Klimabelastung, sondern auch gegen Lärm und Luftbelastung für die Anwohner. Und nicht zuletzt gegen Umsiedlungen: Ein ganzes Dorf, bestehend aus 700 Häusern, steht dem Ausbau im Weg. Das von Greenpeace und seinen Mitstreitern erworbene Land liegt in dieser Gemeinde. Auch, um ihr gegen den Abriss beizustehen.
(Autorin: Sylvia Pritsch)